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Johannes Pelzer

Interview

Johannes Pelzer der Recruiting-Trainer: Jeder kann den Fachkräftemangel bewältigen

Johannes Pelzer, Recruiting-Trainer und leidenschaftlicher E-Bass-Spieler, ist ein Juwel für viele Unternehmen. Als Spezialist in der Personalgewinnung ermöglicht er es deutschen Firmen, eine strukturierte Recruitingabteilung aufzubauen. „Mitarbeiter zu finden, ist für viele ein Kreuz. Der Fachkräftemangel belastet alle Angestellten. Neben dem Druck, trotz weniger Mitarbeiter die Ziele erreichen zu müssen, erfordert die Suche nach neuen Kräften zusätzliche Ressourcen.“

Im Interview mit Unternehmer Deutschlands hat Johannes Pelzer über das brisante Thema des Fachkräftemangels gesprochen und warum es ihm so wichtig ist, mit seiner Recruiting-Masterclass den Grundstein zur flexibel organisierten Mitarbeitergewinnung zu legen.

Johannes Pelzer im Interview mit Unternehmer Deutschlands

Herzlich willkommen bei Unternehmer Deutschlands, Johannes Pelzer. Als Recruiting-Coach bist du täglich mit den Auswirkungen des Fachkräftemangels konfrontiert. Aber liegt das wirklich nur an fehlenden, gut ausgebildeten Bewerbern?

Nein. Aktuell sieht die Prognose zwar so aus, dass 2030 bereits drei Millionen Fachkräfte in Deutschland fehlen werden, allerdings gibt es noch weitere Gründe für den bestehenden Mangel an qualifizierten Bewerbern.

Als ich vor 20 Jahren nach meinem Psychologiestudium als operativer Recruiter anfing, konnten wir uns vor Anfragen kaum retten. Du kamst ins Büro und es lagen bergeweise Anschreiben auf dem Tisch. Eine Fachkraft besser qualifiziert als die andere. Und alle gaben ihr Bestes, um den Job zu bekommen. Wir als Personaler saßen eindeutig am längeren Hebel.

Heute haben sich die Rollen komplett gedreht: Unternehmen finden sich als Bittsteller wieder. Das ist wirklich ein großes Hindernis. Die Bewerber treten mit einem so gesunden Selbstbewusstsein auf, dass die damit verbundenen hohen Forderungen die Unternehmen in eine Schockstarre versetzen.

Das Problem: Viele Unternehmen haben in den letzten 20 Jahren versäumt, ihre Personalgewinnungspolitik anzupassen. Homeoffice, Gleitzeitarbeitsmodelle, eine zeitgemäße Lohnhöhe: Das alles sind Anreize, die von Bewerbern heute vorausgesetzt werden, aber bei traditionellen Unternehmen bislang kaum Beachtung finden. Daraus entstehen Diskrepanzen in den Lohnvorstellungen, Arbeitszeitmodellen und in weiteren Vertragsdetails. Die Folge: Qualifizierte Fachkräfte springen ab, da aus ihrer Sicht die veralteten Strukturen mit ihrem Lebensentwurf nicht vereinbar sind.

In diesem Moment trete ich auf den Plan. Ich unterstütze Unternehmen, zuerst einen klaren Blick für ihre Prozesse zu bekommen, anschließend selbstständig eine funktionierende Recruiting-Abteilung aufzubauen und letztlich eine nachhaltige Strategie gegen Fachkräftemangel zu etablieren.

Wie bist du denn dazugekommen, vom operativen Recruiter zum Coach zu wechseln?

Johannes Pelzer Recruting-Trainer In Angestelltenverhältnis habe ich es bis zum Leiter der Recruiting-Abteilung geschafft. Das war das Ende meiner möglichen Karriereleiter. Verknüpft mit der Aussicht, mein Berufsdasein bis zur Rente in diesem Unternehmen zu fristen und alle Tage ähnliche Aufgaben ausführen müssen – wie in einem Hamsterrad.

Ich bin unglaublich neugierig auf Einblicke in unterschiedliche Berufsbilder. Eine spannende Sache, immer etwas Neues zu lernen. Dank dieses Lerneffekts verstehe ich zudem die Erwartungen besser, die ein Bewerber für eine bestimmte Position erfüllen muss. Dadurch kann ich die besten Bewerber für meinen Kunden auswählen.

Meine ehemaligen Kollegen meinten oft, dass ich das Zeug dazu habe, mich selbstständig zu machen. Anstatt für den Rest meines Arbeitslebens in der Anstellung zu verharren, sprang ich schließlich ins kalte Wasser.

Mit einem einzigen Auftrag in der Tasche reichte ich meine Kündigung ein und fing an, mein eigenes Business aufzubauen.

Mutiger Schritt! War der Weg in deine Selbstständigkeit dann von Anfang an erfolgreich?

Naja, ein paar Herausforderungen musste ich bewerkstelligen. Zum Start waren es die typischen Zusatz-Aufgaben eines Selbstständigen, die mich belasteten: Steuer, Gewerbeanmeldung, Selbstorganisation.

Ich begann, mir Hilfe in allen Bereichen zu suchen, die ich nicht beherrschte. Und ich kann das nur jedem raten. Ich bin dankbar für meinen Steuerberater, der mir als Profi auf seinem Gebiet nach wie vor viel Arbeit und graue Haare erspart. Für mich wirklich gut investiertes Geld. So habe ich den Kopf frei für meine Kunden und deren Bedürfnisse.

Um meine Selbstorganisation in den Griff zu bekommen, setzte ich mir feste Arbeitszeiten. Wann möchte ich was erledigen? Das ist noch heute der Grundstock meiner Effizienz. Es hilft mir, fokussiert und ganz ohne Ablenkung, meine Zeit bestmöglich zu nutzen.

Als ich die Grundsteine für mein Business endlich erfolgreich gelegt hatte, kam Corona. Ich wollte mich eigentlich auf Handwerksunternehmen und IT-Anbieter konzentrieren. Aber die Neukundengewinnung in diesen Branchen war in der Pandemie nahezu unmöglich. Ungebrochen in meinem Tatendrang, erkannte ich: In jeder Krise steckt eine Chance. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf und orientierte mich in Richtung der Fachbereiche, die während der Pandemie eher einen Aufschwung statt Einstellungs- und Investionsstopps ausführten: Im Gesundheitsbereich waren meine neue Aufgabe. Und was soll ich sagen? Es funktionierte.

Das steckt hinter dem Recruitingkonzept

Wow, Glückwunsch, dass dir der Sprung gelungen ist, trotz einiger Stolpersteine. Und was steckt genau hinter deinem Unternehmenskonzept?

Ich verfolge unterschiedliche Strategien, um die Personalabteilungen in Unternehmen aufzubauen und zu strukturieren. Die Beratung ist ganz klar mein wichtigstes Steckenpferd, um das Bewusstsein für eine gute Einstellungspolitik zu schärfen.

Ich halte Präsenz-Seminare in Unternehmen und biete alternativ meine sechswöchige Masterclass an, damit die Grundstrukturen eines funktionierenden Recruitings entstehen. Die Masterclass hat den Vorteil, dass Unternehmer sie ausschließlich online besuchen können. Sie bekommen von mir die wichtigsten Inhalte per Tutorials und theoretischen Unterlagen. Das hat für Kunden den Vorteil, dass niemand direkt vor Ort sein muss. Dennoch kann ich all ihre Fragen direkt beantworten und sie können im persönlichen Austausch von meiner Expertise profitieren. Der Segen der Digitalisierung.

Zudem unterstütze ich Unternehmen als Interims-Manager in Recruiting-Hochphasen. Vor allem durch den Weggang von Mitarbeitern steigt der Personalbedarf zeitweise stark an. Der Ursachen für die Abwanderung sind vielfältig, wie Renteneintritt oder der Aufbau einer neuen Abteilung.

Ich wähle die Bewerber aus, führe die Gespräche. Dadurch werden Mitarbeiter entlastet, die ohnehin schon unter dem Personalmangel leiden.

Mit dem Unternehmen zusammen gelingt der Aufbau einer strukturieren Recruiting-Abteilung. Nach einigen Monaten können sie meist wieder ohne meine Hilfe agieren. Das Wichtigste ist für mich, dass meine Kunden zufrieden mit ihrer maßgeschneiderten Strategie sind.

Das bedeutet, du bist auf der Unternehmerseite und schaffst dort die erforderlichen Strukturen für ein erfolgreiches Recruiting?

Ja und Nein. Die Unternehmen stehen in meinem Business zwar im Fokus, aber unabhängig davon helfe ich auch Arbeitssuchenden mit einem Bewerbungstraining. Es gibt so viele gut ausgebildete Fachkräfte, denen es an entscheidenden Fähigkeiten fehlt. Sie haben Schwierigkeiten, die Anschreiben richtig aufzubauen oder leiden unter Lampenfieber beim Vorstellungsgespräch. Kleine Stellschrauben, an denen sie drehen müssen, um ihre Chance zu verbessern.

Für mich ist es wichtig, Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen.

Das ist ja ein weitreichender Bereich, den du abdeckst. Schaffst du das alles allein?

Recrutrainer Johannes PelzerAn Anfang, mit nur einem Auftrag, war das händelbar. Mittlerweile habe ich ein Team, das mich bei Bedarf unterstützt. Unter anderem eine Assistenz, die meine Termine koordiniert. Für mich hat es sich bewährt Außentermine, zum Kennenlernen und Analysieren der Unternehmen, möglichst innerhalb einer Woche am Stück zu organisieren. Das erfordert eine strukturierte Planung. Zum Glück finden viele Bewerbungsgespräche, die ich während des Prozesses begleite, ohnehin online statt. Bislang funktioniert meine Eine-Woche-unterwegs-den-Rest-im-Homeoffice-Methode sehr gut. Abgesehen von Phasen, in denen ich als Interims-Manager in einem Unternehmen anwesend sein muss.

Dabei können sich Unternehmen von meiner Arbeitsweise inspirieren lassen, da ich viele Aufgaben im Home-Office erledigen kann. Oft übernehmen die Verantwortlichen diesen Ansatz anschließend in ihr eigenes Arbeitsmodell, um ihren Mitarbeitern einen zusätzlichen Benefit zu bieten.

Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht

Das ist eine gute Einstellung. Abschließend zu diesem tollen Interview eine letzte Frage: Hast du die Spitze deiner Entwicklung erreicht oder schlummert da noch Potenzial?

Die Tätigkeit als Recruiter erreicht den Höhepunkt nie. Ich entwickle mich mit den wechselnden Anforderungen an den Arbeitsmarkt automatisch weiter. Tag für Tag stehen neue Berufsbilder und Branchen auf dem Plan. Das macht mir Spaß und motiviert mich.

Personalmangel ist zum Beispiel nicht nur bei meinen Kunden in mittelständischen Unternehmen ein großes Thema. Auch Einzelkämpfer, die nach der richtigen Unterstützung suchen, brauchen die Grundstrukturen des Recruitings. Aktuell überlege ich, ein Basis-Wissenspaket als Online-Kurs speziell für Einzelunternehmer anzubieten.

Denn es ist meine Mission, dass wirklich jedes Unternehmen, vom Einzelunternehmer bis zum multinationalen Konzern, weiß, welche Strukturen es braucht, um ein gutes Recruiting eigenverantwortlich umzusetzen. Daran arbeite ich jeden Tag mit Freude.

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