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Vereinigte Volksbanken eG

Interview

Vereinigte Volksbanken eG mit Matthias Haug: Wie Nähe und Leidenschaft eine Regionalbank unschlagbar machen

Die Vereinigte Volksbanken eG steht für etwas, das im Umfeld anonymer Finanzriesen und digitalisierter Bankautomaten immer seltener wird: echte Nähe. Gegründet vor über 160 Jahren, tief verwurzelt zwischen Schwarzwaldrand und Albrand in Baden-Württemberg, beweist diese Genossenschaftsbank täglich, dass Regionalität keine Schwäche ist, sondern die schärfste Waffe im Wettbewerb. Während Fintechs mit bunten Apps um Aufmerksamkeit buhlen und Großbanken ihre Filialen ausdünnen, setzt die Vereinigte Volksbanken eG auf das Gegenteil. Vertrauen, Heimat und den einen Anruf mehr.

Matthias Haug verantwortet die Kommunikation der Vereinigten Volksbanken eG. Seit über 30 Jahren im selben Haus, vom Lehrling bis zur Führungskraft. Im Gespräch mit Unternehmer Deutschlands erklärt er, was einen Mann antreibt, der Banking von den Maschinenräumen bis zur Künstlichen Intelligenz aus nächster Nähe mitgestaltet hat, warum Regionalität mit Haltung zu tun hat und welche Energie in einem Leitbild steckt, das wirklich gelebt wird.

Matthias Haug in Interview

Hallo Matthias, herzlich willkommen bei Unternehmer Deutschlands! Kannst du dich und dein Unternehmen bitte kurz vorstellen?

Ja, sehr gerne und vielen Dank für die Einladung! Mein Name ist Matthias Haug und ich leite die Kommunikationsabteilung der Vereinigten Volksbanken eG. Eine Genossenschaftsbank, die aus der Geschichte heraus gewachsen ist. Verschiedene kleinere Volksbanken haben sich über Jahrzehnte zusammengefunden, daher auch der Name. Unser Geschäftsgebiet erstreckt sich vom Schwarzwaldrand bis zum Albrand, mit sechs Niederlassungen in Calw, Weil der Stadt, Sindelfingen, Böblingen, Schönbuch und Reutlingen. Über 150.000 Kunden und 86.000 Mitglieder tragen das Haus. Bei der Mitgliederzahl wachsen wir gegen den bundesweiten Trend weiterhin. Über 1.000 Netto-Neuzugänge allein im vergangenen Jahr.

Sechs Standorte, beeindruckende Zahlen. Was unterscheidet euch wesentlich von anderen Instituten, ob Sparkasse, Direktbank oder Großbank?

Nähe, nicht als leere Worthülse, vielmehr als gelebte Praxis. Konkret meine ich damit, auch einmal mehr zum Hörer zu greifen, wirklich hinzuschauen, was der Kunde braucht und nicht nur, was er bei uns liegen hat. Eine Direktbank kennt die Kontonummer ihrer Klienten. Wir kennen die Menschen dahinter. Eine Großbank denkt in Märkten. Wir denken in Nachbarschaften. Gegenüber jeglichen Wettbewerbern ist unser Anspruch klar: noch näher dran zu sein. Was uns trägt, ist die persönliche Beziehung und das Vertrauen, das wir zu jedem Einzelnen aufbauen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, und genau dafür brenne ich.

Du sprichst von Leidenschaft. Und bist seit über drei Jahrzehnten im selben Unternehmen. Was hat dich damals ausgerechnet zur Volksbank geführt und was hält dich bis heute dort?

Genau, quasi ein klassisches Kind des Hauses. Angefangen habe ich 1992 bei der damals noch eigenständigen Volksbank Sindelfingen, Ausbildungsabschluss 1995. Danach verbrachte ich viele Jahre in den Maschinenräumen der Bank, im Zahlungsverkehr, in der Prozessarbeit, im Innenleben des Bankings. Ich habe die Pionierzeit des Online-Bankings hautnah erlebt, ebenfalls unsere erste Internetseite von 1998. Eine gänzlich andere Welt. Gleichzeitig hatte ich immer dieses Bedürfnis, etwas zu bewirken und zu erklären. Tue Gutes und rede darüber – das habe ich seit jeher in mir getragen. Was mich hält, ist keine Routine. Es ist die tiefe Überzeugung, dass unsere Arbeit kontinuierlich etwas bewegt.

Dieses Bedürfnis zu erklären und sichtbar zu machen – wann wurde daraus eine echte Berufung?

2016 wechselte ich ins Marketing, obwohl das klassische Kampagnengeschäft nie mein eigentliches Ziel war. Es war Öffentlichkeitsarbeit. Der echte Wendepunkt kam dann 2022, als unser Leitbild “Meine Bank, die Heimat lebt“ entstand. Ich habe in diesem Haus viele solcher Prozesse kommen und gehen sehen. Papier ist geduldig. Dieses Konzept hingegen hat mich vollumfänglich gepackt. Ich hatte sofort das Gefühl, dass hier etwas Bleibendes entsteht. Daraus folgte die Entscheidung, Führungsverantwortung zu übernehmen, was ich fünf Jahre zuvor noch kategorisch verneint hätte.

Ein weiterer Grund ist meine journalistische Ader und mein Gespür dafür, wie Botschaften wirken. Ich habe selbst für lokale Zeitungen Beiträge verfasst und kenne beide Seiten des Schreibtischs. Das hilft enorm, wenn man verstehen will, was Menschen tatsächlich bewegt.

Was genau steckt hinter „Meine Bank, die Heimat lebt” und warum setzt du dich täglich dafür ein?

Das Konzept funktioniert auf drei Ebenen. Das ‘Warum’ erklärt, weshalb wir existieren. Das ‘Wie’ beschreibt unsere Zusammenarbeit, also wie wir im Alltag miteinander agieren. Das ‘Wofür’ formuliert unsere Ambition: mehr Kundenzufriedenheit, mehr Mitarbeiterzufriedenheit, stärkere Marktposition. Viele Unternehmen schreiben sich eine Vision auf die Fahnen und nennen sie ihr Grundgesetz. Bei uns ist es ein omnipräsenter Kompass, der sich in jeder Kommunikationsmaßnahme, im Umgang mit der Kundschaft und in unserem Engagement für die Region zeigt.

Heimat als gelebte Orientierung, wie gelingt einer Genossenschaftsbank die Umsetzung einer solchen Maxime, abgesehen von der Rechtsform?

Unser Leitbild und die Genossenschaftsidee passen wunderbar zusammen. Nicht Gewinn maximieren, sondern Mitglieder und Region fördern. Im vergangenen Jahr haben wir rund 350.000 Euro Fördermittel in die sechs Regionen zurückgegeben. Dieses Budget speist sich aus drei Quellen: aus unserem Gewinnsparen mit den Bausteinen Sparen, Gewinnen und Helfen, aus der Direktförderung über unser Kuratorium, das zweimal jährlich zusammenkommt, sowie über unsere Crowdfunding-Plattform für größere Vorhaben. Die daraus resultierenden Effekte zeigen sich im Alltag der Region. VR-Mobile für Sozialstationen, eine Skifahrerin aus Pullingen, die ihren ersten Weltcup mit unserem Logo auf dem Helm bestritt, ein Musiker aus Sindelfingen, der seine Ausbildung finanzieren kann. Vereine, gemeinnützige Einrichtungen, Menschen mit einem Traum. Viele wissen nicht, dass die Volksbank diesen Förderauftrag hat.

Sehr spannend! Wo liegen eure Schwerpunkte bei den gängigen Bankdienstleistungen?

Das klassische Kreditgeschäft bleibt unser Fundament. Darüber hinaus haben wir Bereiche aufgebaut, die unseren Anspruch auf Nähe konkret erlebbar machen. Entscheidender Einstiegspunkt dabei ist das Girokonto, aus dem eine lebenslange Kundenbeziehung wächst. Wohlhabende Klienten betreuen wir im Private Banking ganzheitlich, von der Vermögensverwaltung bis zu komplexen Finanzfragen, wobei die Generationenberatung zu einem zentralen Thema geworden ist. Beim Kapitalaufbau setzen wir auf perspektivische Strategien und echtes Consulting statt auf kurzfristige Spekulation. Unsere Firmenkunden, meist mittelständische Unternehmen aus der Region, schätzen, dass wir sie vor Ort besuchen und auf Augenhöhe arbeiten. Als Universalbank begleiten wir insgesamt vom ersten Girokonto über Baufinanzierung und Versicherungen bis hin zur Altersvorsorge.

Ihr habt die Generationenberatung zu einem eigenen Schwerpunkt ausgebaut. Aus welchem Grund?

Ungeklärte Kontovollmachten, Betriebe ohne Nachfolgeregelung, Vermögen ohne Testament – im Alltag rückt das schnell in den Hintergrund. Wir erleben immer wieder, dass schlicht nichts geregelt ist und dadurch oftmals Konflikte entstehen, die vermeidbar gewesen wären. Unsere Generationenberatung schafft hier Klarheit rund um Vermögensweitergabe, Unternehmensnachfolge und Patientenverfügung, alles aus einer Hand. Dafür haben wir ein Netzwerk aus Notaren, Anwälten und Steuerberatern etabliert, damit niemand von Büro zu Büro laufen muss. Das Ergebnis spricht für sich. Unsere hierauf spezialisierten Mitarbeitenden sind über Monate im Voraus ausgebucht, weshalb wir das Team im vergangenen Jahr aufgestockt haben. Das Interesse zeigt, wie groß der Bedarf ist.

Eine tolle Entwicklung! Was macht euch als Arbeitgeber attraktiv?

Ganz klar: unsere innerbetriebliche Kultur. Wie wir miteinander umgehen, das erlebt man am besten selbst. Wir können aber schon im Vorfeld Erwartungen wecken. Flexible Modelle, Teilzeit, mobiles Arbeiten, Homeoffice, je nach Aufgabe. Darüber hinaus haben wir attraktive Benefits implementiert, beispielsweise einen günstigen E-Gym-Pass, der zur Nutzung sämtlicher Fitnessstudios und Wellnesseinrichtungen in der Umgebung berechtigt. Auch ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das über das Standardprogramm hinausgeht, ist vorhanden. Gerade entstehen neue Raumwelten, Rückzugsbereiche, Komfortzonen. Bei allen Benefits bleibt das Entscheidende, wie wir miteinander umgehen und füreinander arbeiten. Wer einmal Teil dieses Teams ist, versteht schnell, warum viele so lange bleiben.

Ein Ausblick nach vorne. Was sind die Pläne der Vereinigten Volksbanken eG für die nächsten fünf bis zehn Jahre?

Wir wollen kontinuierlich wachsen, unsere Marktposition in den Regionen gezielt stärken und Menschen für uns gewinnen, die uns bislang noch nicht als Partner wahrgenommen haben.

Dafür investieren wir konsequent in fortschrittliche Infrastruktur und zeitgemäße Arbeitsumgebungen, die Effizienz fördern und die Zusammenarbeit erleichtern. Künstliche Intelligenz ist für uns kein Experimentierfeld mehr, sondern ein fester Bestandteil unserer Wertschöpfung. Wir nutzen sie, um Abläufe klüger zu gestalten, Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und Ressourcen wirkungsvoll einzusetzen.

Gleichzeitig möchten wir unseren Förderauftrag und den genossenschaftlichen Gedanken noch sichtbarer nach außen tragen. Wir verstehen uns sowohl als Finanzdienstleister als auch als verlässlichen Impulsgeber für wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort.

Am Ende sind wir Teil dieser Region – ökonomisch wie menschlich. Geht es den Bürgern und Unternehmen hier gut, stärkt das auch uns. Kein Leitmotiv für Broschüren, vielmehr gelebte Verantwortung im täglichen Handeln.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke und das interessante Gespräch, Matthias!

Gerne, auch euch herzlichen Dank! Es war mir eine Freude.

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