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Investitionsgüter-Aufträge steigen durch Infrastrukturprogramme

Die Investitionsgüterindustrie zeigt zum Jahreswechsel Anzeichen einer Belebung. Nach einer Phase schwacher Nachfrage verzeichnen Hersteller von Maschinen, Anlagen und Ausrüstungen wieder steigende Auftragseingänge. Staatliche Infrastrukturprogramme und eine erwartete Entspannung bei den Energiekosten könnten diese Entwicklung im kommenden Jahr verstärken.

Auftragslage zum Jahresende: Erste positive Signale

Die Auftragseingänge für Investitionsgüter entwickelten sich in den letzten Monaten des Jahres positiv. Im Dezember lag der Zuwachs bei knapp acht Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem bereits im November ein Plus von fast fünf Prozent verbucht worden war. Diese Entwicklung betrifft sowohl Bestellungen aus dem Inland als aus dem Ausland.

Einzelne Regionen verzeichneten dabei besonders kräftige Zuwächse. In einem norddeutschen Bundesland stiegen die Investitionsgüter-Aufträge im Dezember um fast ein Fünftel gegenüber dem Vorjahr. Solche regionalen Ausschläge spiegeln die unterschiedliche Branchenstruktur wider: Standorte mit starkem Maschinenbau oder Anlagenbau profitieren überproportional von der anziehenden Nachfrage.

Infrastrukturprogramme als Wachstumstreiber

Ein wesentlicher Impuls für die Investitionsgüternachfrage geht von staatlichen Ausgabenprogrammen aus. Das im Frühjahr beschlossene Finanzpaket sieht erhebliche Mittel für öffentliche Investitionen vor. Hinzu kommt ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität, das zusätzliche Aufträge in den Bereichen Bau, Energie und Verkehr generieren soll.

Ebenso trägt die Beschaffung im Verteidigungsbereich zur Nachfrage bei. Ausrüstungsinvestitionen für militärische Zwecke fließen direkt in die Auftragsbücher von Herstellern spezialisierter Güter. Die Wirkung dieser Programme entfaltet sich schrittweise und dürfte über das kommende Jahr hinaus anhalten.

Energiekosten: Entlastung für energieintensive Produktion

Die Herstellung von Investitionsgütern erfordert erheblichen Energieeinsatz. Metallverarbeitung, Maschinenbau und Anlagenfertigung gehören zu den stromintensiven Branchen. Eine Entspannung bei den Industriestrompreisen verbessert daher die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen.

Günstigere Betriebskosten schaffen zugleich Spielraum für Modernisierungsinvestitionen. Wer weniger für Energie aufwenden muss, kann mehr in neue Anlagen und Prozesse stecken. Dieser Effekt verstärkt die Nachfrage nach Investitionsgütern zusätzlich. Allerdings unterliegen Energiepreise Marktschwankungen, sodass die Entwicklung von vielen Faktoren abhängt.

Gesamtwirtschaftlicher Rahmen

Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr fallen moderat aus. Experten erwarten ein Plus von knapp einem Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Bau- und Ausrüstungsinvestitionen sollen dabei eine tragende Rolle spielen. Staatliche Mehrausgaben wirken als konjunkturelle Stütze in einem ansonsten verhaltenen Umfeld.

Für die Investitionsgüter-Aufträge insgesamt wird ein Wachstum von etwas mehr als einem Prozent bis Jahresende erwartet. Das klingt bescheiden, markiert allerdings eine Trendwende nach schwächeren Vorjahren. Die wirtschaftlichen Folgen der Energiewende beeinflussen diese Entwicklung in beide Richtungen: Einerseits entstehen neue Investitionsbedarfe, andererseits belasten Umstellungskosten die Unternehmen.

Branchenstruktur und regionale Unterschiede

Die Investitionsgüterindustrie umfasst ein breites Spektrum von Herstellern. Maschinenbau, Elektrotechnik und Anlagenbau bilden die Kernbereiche. Viele dieser Unternehmen sind stark exportorientiert und hängen von der Nachfrage aus dem Ausland ab. Europäische Abnehmer, ebenso Kunden aus Übersee, bestimmen die Auftragslage mit.

Regionale Cluster haben sich über Jahrzehnte herausgebildet. Bestimmte Bundesländer konzentrieren sich auf Werkzeugmaschinen, andere auf Fördertechnik oder Energieanlagen. Diese Spezialisierung führt zu unterschiedlichen Konjunkturverläufen: Während ein Standort boomt, kann ein anderer stagnieren.

Herausforderungen bleiben bestehen

Trotz positiver Signale stehen Hersteller von Investitionsgütern vor erheblichen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel begrenzt die Kapazitäten vieler Betriebe. Qualifiziertes Personal für Entwicklung, Fertigung und Service ist schwer zu finden. Dieser Engpass bremst das Wachstum unabhängig von der Auftragslage.

Lieferketten bleiben ein Risikofaktor. Abhängigkeiten von internationalen Zulieferern können bei Störungen schnell zu Produktionsausfällen führen. Unternehmen müssen zudem den Umgang mit schwankenden Energiekosten in ihre Planung einbeziehen. Digitalisierung und Dekarbonisierung erfordern zusätzliche Investitionen, die nicht alle Betriebe stemmen können.

Die Finanzierungsbedingungen spielen ebenfalls eine Rolle. Das Zinsniveau beeinflusst die Bereitschaft von Kunden, in neue Anlagen zu investieren. Teure Kredite dämpfen die Nachfrage, günstigere Konditionen beleben sie. Hinzu kommt der internationale Wettbewerbsdruck: Anbieter aus anderen Ländern drängen in Marktsegmente, die lange von deutschen Herstellern dominiert wurden.

Ausblick: Moderate Erholung mit Fragezeichen

Für das kommende Jahr zeichnet sich eine moderate Erholung bei den Investitionsgüter-Aufträgen ab. Staatliche Programme liefern kurzfristige Impulse, strukturelle Herausforderungen bleiben bestehen. Die Nachhaltigkeit des Aufschwungs hängt davon ab, ob nach Auslaufen der Sonderprogramme eine eigenständige Dynamik entsteht.

Modernisierungsbedarf und Klimaziele schaffen langfristige Nachfrage nach Investitionsgütern. Unternehmen müssen ihre Produktionsanlagen erneuern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von der globalen Konjunktur hoch. Eine Abschwächung wichtiger Absatzmärkte würde die positive Entwicklung schnell bremsen.

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