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Andreas Ackermann feelen

Interview

Andreas Ackermann & feelen: Wir wissen mehr denn je und werden trotzdem kränker

Wir leben in der wohlhabendsten, meist vernetzten und informiertesten Gesellschaft aller Zeiten. Noch nie war der Zugang zu Wissen, Experten und Ratschlägen so einfach – trotzdem steigt die Zahl der Erschöpften. Burnout auf Rekordniveau, Schlafstörungen, Ängste, brüchige Beziehungen, psychosomatische Beschwerden. Und die Liste wächst. 

Täglich folgen neue Empfehlungen. Weniger Bildschirmzeit, mehr Bewegung, gesünder essen. Plausibel klingt das allemal, doch im Alltag verpuffen sie oft. Warum produzieren wir immer wieder das, was wir eigentlich nicht wollen?

Vielleicht, weil wir an der Oberfläche optimieren und die eigentlichen Ursachen tiefer liegen. Tiefer als Statistiken zeigen. Tiefer als gut gemeinte Tipps reichen.

Die Antworten hierzu hat sich Andreas “Acki“ Ackermann als eigenes Lebenswerk auf die Fahnen geschrieben. Im Interview mit Unternehmer Deutschlands spricht der Entrepreneur, Investor und Gründer der Transformationsplattform feelen darüber, warum ein Unternehmen immer nur so gut ist wie sein Inhaber denken kann, was hinter dem Begriff Chemical Change steckt und welche Vision ihn antreibt, mit feelen eine ganze Gesellschaft zum Umdenken zu bewegen.

Andreas Ackermann im Interview

Hallo Acki, herzlich willkommen bei Unternehmer Deutschlands! Kannst du dich und dein Unternehmen bitte kurz vorstellen?

Ich bin Andreas Ackermann, alle nennen mich Acki. Als Inhaber diverser Firmen, Kapitalanleger, Business Angel, Alphirte und Vater bin ich in acht Branchen aktiv, darunter Gesundheit, Fintech, E-Commerce, Biotech, Hospitality und Sport, mit über 100 Angestellten und mehr als 30 gegründeten Betrieben. Meinen ganzen Fokus lege ich heute auf die Persönlichkeitsentwicklung, weil ich sehe, was um uns herum passiert. Körperlich und geistig wird die Gesellschaft anfälliger – obschon eines Informationsstandes, der in der Geschichte beispiellos ist. Es handelt sich keinesfalls um einen Zufall, sondern um ein systemisches Problem.

Zwischen Wissen, Verstehen, Umsetzen und Bewusstsein klafft eine gewaltige Lücke, die sich in der wachsenden Zahl kranker Menschen zeigt, trotz mehr Ressourcen und mehr Möglichkeiten. Genau in dieser Lücke liegt das Potenzial, das ich mit feelen adressiere, einer Transformationsplattform, die beim Ursprung ansetzt, nicht beim Symptom. Meine Vision dahinter nenne ich „Democratization of Bliss“, die Demokratisierung der Glückseligkeit: weg von Angst, Zweifel, Scham und Wettbewerbsdenken, hin zu Leichtigkeit, Dankbarkeit und echter Lebensfreude.

Du sprichst von Ursachen, nicht Symptomen das klingt nach einer tiefen, gelebten Überzeugung. Gab es einen konkreten Moment, der dazu geführt hat, oder ist es das Resultat eines längeren Prozesses?

Das war damals bei mir ein entscheidendes Erlebnis. Mit zehn Jahren saß ich beim Weihnachtsessen mit meiner Familie, einem Metzgerhaushalt mit elf Kindern, an der Seite meines Vaters. Fleisch war bei uns schlicht Lebensgrundlage. Er schaute mich an und sagte: Wenn du kein Fleisch isst, stirbst du. Ich blickte ihm in die Augen und fragte, was er mir denn zahlt, wenn ich kein Fleisch mehr esse. Er lachte und bot mir 1.000 Franken an, für mich als jungen Burschen damals eine Wahnsinnssumme, genug für Nintendo, Basketball und Fahrrad zusammen.

Seine Bedingung: Schaffe ich es nicht, muss ich einen ganzen Sommer lang Rasenmähen. Obwohl ich Gartenarbeit hasste, schlug ich ein, ohne Zögern, ohne Diskussion. Was in diesem Moment in mir passierte, nenne ich einen Chemical Change, eine chemische Reaktion, die sich nicht mehr umkehren lässt, wie ein Riss, der verheilt, aber die Stelle für immer verändert. Dieser Moment liegt 31 Jahre zurück. Ich habe nie wieder Fleisch gegessen.

Ein sicherlich bemerkenswerter Entschluss für einen Heranwachsenden. Wie hat dich diese Erfahrung geprägt?

Seinerzeit habe ich intuitiv begriffen, was mein ganzes Leben bestimmen würde. Wenn Denken, Fühlen, Sprechen, Körperhaltung und Energie in eine Richtung zeigen, wenn alles kohärent kommuniziert, passt sich die Umwelt daran an.

Mit 15 begann ich zu meditieren, heute mache ich es dreimal täglich. In 25 Jahren habe ich gelernt, meine Hirnwellen bewusst in den Theta-Bereich zu bringen – jenen Zustand zwischen Wachen und Schlafen, in dem echte Transformation stattfindet. Auch kam ich früh in Berührung mit der Psychosomatik, mit dem tiefen Zusammenhang zwischen Geist und Körper.

Wer dauerhaft Sorgen trägt, flutet den Organismus mit Adrenalin und Cortisol. Das schwächt fortgesetzt das Immunsystem, deformiert Gewebe und macht krank. Der Körper ist nie das Problem, er ist der Bote. Hierauf wurzelt alles, was ich heute tue.

Die menschliche Physis als Bote, der Geist als Ursache, das klingt nach einem grundlegend anderen Ansatz als klassische Heilbehandlung. Wie kann man sich die Herangehensweise bei feelen konkret vorstellen?

Der Unterschied ist fundamental. Ein Therapeut löst ein Problem, ich mache unbewusste Verhaltensmuster bewusst, damit jemand versteht, warum er immer wieder dieselben Muster erzeugt. Nehmen wir Rückenschmerzen als Beispiel. Schon nach wenigen Minuten Gespräch wird klar, dass der Betroffene Sorgen mit sich trägt, die er nie ausspricht, während der Körper längst laut schreit, was der Verstand nicht hören will. Also geht er zur Akupunktur, fühlt sich kurz besser, doch weil die eigentliche Ursache unangetastet bleibt, kehrt die Verspannung verlässlich zurück. Das ist kein Versagen einer Behandlungsmethode, vielmehr ein systemisches Problem: Die besten Therapeuten sind maximal überlastet, weil niemand an die Wurzel geht. Die Ursache ist in 99,9 Prozent der Fälle eine geistige, keine organische.

Besonders deutlich wird das in Beziehungsmustern. Wer den fünften Partner erlebt, der genau das Gleiche macht wie alle vorher, folgt einem unbewussten Muster, das sich wiederholt, bis es erkannt und verstanden wird.

Bei feelen fange ich deshalb immer bei unbewussten Programmierungen und Kindheitsprägungen an und suche nach diesen inneren Wiederholungen. Ziel ist ein tiefes Verständnis dafür, warum das eigene Leben so aussieht, wie es aussieht. Ich bringe den Menschen bei, sich selbst zu heilen.

Sehr spannend. Gibt es hierfür bestimmte Methoden, die du bei feelen anwendest?

Wir haben vier Bausteine, die ineinandergreifen und in denen über 15 Jahre Entwicklung stecken. Die wichtigste Methode ist die Gedankenarchitektur. Die meisten Menschen wissen nicht, wie sie denken, sie denken einfach, ohne es zu hinterfragen. Dabei ist Denken eine erlernbare Fähigkeit. Wer seine Gedanken beobachtet, aufschreibt und clustert, erkennt schnell, welche sich wiederholen und welche destruktiv sind, um dann das Gegenteil bewusst und täglich neu zu verinnerlichen. Jeder neue Gedanke baut eine neue neuronale Verbindung auf, wie ein Pfad im Wald, den man immer häufiger betritt, während der alte langsam zuwächst. Menschen, die stets das Gleiche denken, werden immer das Gleiche erleben.

Der zweite Baustein, die Hypno-Manifestation, bringt Dankbarkeit, Vorstellungskraft und Handeln in Kohärenz. Das Fundament dafür sind Wille, Glaube und Vertrauen, denn ohne diese drei Säulen hält kein Ziel. 

Der dritte Ansatz geht noch einen Schritt weiter. Kommunikationskohärenz bedeutet, dass Mund, Augen, Herz, Körper und Energie eine gemeinsame Sprache sprechen, und wer das einmal erlebt, spürt eine Durchschlagskraft, die er vorher nicht kannte.

Das vierte Prinzip schließlich ist Feel Allowed, die Erlaubnis zu fühlen. Was nicht durchgefühlt wird, bleibt im Körper und wird früher oder später zum organischen Problem.

Eine inspirierende Ausrichtung. Du bist selbst Serienunternehmer. Was siehst du, wenn du in die heutige Geschäftswelt blickst?

In der Praxis nehme ich drei Muster wahr, die sich immer wiederholen. Das erste ist problemorientiertes Denken. Unternehmer richten ihre Aufmerksamkeit auf das, was nicht funktioniert, statt auf das, was sie wollen. Aufmerksamkeit ist Energie, und Energie folgt dem Gedanken, der am stärksten zieht. Das ist reine Biochemie. Wer täglich über seine Probleme nachdenkt, erschafft mehr davon.

Die zweite Verhaltensweise ist die fehlende Klarheit in der Kommunikation. In Meetings reden alle aneinander vorbei, Gedanken, Gefühle und Worte klaffen auseinander, und das kostet Energie, Zeit und Erfolg, jeden einzelnen Tag.

Das dritte Muster, und für mich das Entscheidende, ist das unzureichende innere Fundament. Wirtschaftstreibende lernen Buchhaltung, Marketing und Strategie, aber die Fähigkeit zur Selbstregulation unter Druck bleibt auf der Strecke. Emotional aufgeladen zu entscheiden, führt zu falschen Entscheidungen, sich der Reflexion zu entziehen mündet in wiederholt dieselben Fehler, nur mit anderen Gesichtern, anderen Firmen und demselben Ergebnis. Unternehmen sind immer nur so gut, wie ihre Inhaber denken können. Exakt da setzt feelen an, als Grundlage für nachhaltigen ökonomischen Erfolg.

Diese drei Muster kennst du offensichtlich aus eigener Erfahrung. Hast du konkrete Beispiele aus deiner Praxis, anlässlich derer du das hautnah erlebt hast?

Ja, solche Situationen sind mir mehrfach widerfahren.

Über LinkedIn wurde ich auf einen jungen Gründer aufmerksam, der regelmäßig von seinem Start-up in der Systemgastronomie berichtete. Wir kamen ins Gespräch und trafen uns schließlich persönlich. Bei diesem Meeting wurde deutlich, dass sein Unternehmen in einer akuten, prekären Finanzlage war. Innerhalb kurzer Zeit benötigte er 100.000 Franken, andernfalls hätte er schließen müssen. Während er die Situation schilderte, achtete ich weniger auf die reinen Kennzahlen als auf seine Haltung, seine Klarheit und seine Entschlossenheit. Ich traf eine bewusste Entscheidung und sagte ihm meine Unterstützung zu. Noch in derselben Nacht überwies ich die Summe. Andere hatten die Zahlen analysiert und abgelehnt. Ich habe den Menschen bewertet.

Im nächsten Schritt verschaffte ich mir vor Ort ein umfassendes Bild, prüfte Strukturen, Angebot und Abläufe und benannte unmissverständlich, was tragfähig war und was nicht. Ohne Beschönigung. Alles, was über 16 Monate hinweg nicht funktioniert hatte, wurde konsequent beendet. Zwei Jahre später liegt die Bewertung der Firma bei rund 8 Millionen Franken. Zudem konnten namhafte Franchisepartner gewonnen werden. Ausschlaggebend war nicht allein das Kapital. Es war die Bereitschaft, Denkweisen zu hinterfragen und eindeutige Entscheidungen zu treffen.

Ein weiteres Beispiel zeigt die gleiche Dynamik auf persönlicher Ebene. Eine Unternehmerin kam nach zahlreichen Versuchen und erheblichen Investitionen in unser Mentoring, ohne nachhaltige Veränderung zu erreichen. Vier Monate später saß sie im Abschlussgespräch und rang nach Worten. Nicht, weil sich äußere Umstände abrupt gewandelt hatten, sondern weil sich ihr Blick auf sich selbst grundlegend verändert hatte. Keine Therapie, keine Medikamente, lediglich ein neues Verständnis und die Erlaubnis, sich selbst klar zu begegnen.

Werfen wir zum Abschluss einen Blick nach vorne. Was ist deine Vision für feelen und wo steht ihr in fünf bis zehn Jahren?

Meine Vision für feelen ist eine Entwicklung mit Substanz und Weitblick. Im Mittelpunkt steht der Aufbau eines Systems, innerhalb dessen verschiedene Bereiche ineinandergreifen und sich gegenseitig stärken. Dazu zählen Programme zur Bewusstseinsentwicklung, eine Plattform für Therapeutinnen und Therapeuten, eine Akademie zur Ausbildung neuer Coaches sowie Retreat-Formate für unsere Kunden. Jedes Element erweitert das andere. So entsteht ein ganzheitliches Umfeld, das Menschen langfristig begleitet.

Ein zentraler nächster Schritt sind vertiefende Gespräche mit Krankenkassen. Prävention und Ursachenarbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie perspektivisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll sind. Grundlage bilden transparente Konzepte und eine logisch nachvollziehbare Wirkung.

Viele Menschen spüren eine innere Unstimmigkeit und zugleich den Wunsch nach Orientierung. Hier setzt feelen an. Entwicklung beginnt mit dem Verständnis für eigene Muster und Zusammenhänge. Diese bilden die Basis, um Ursachen zu erkennen und zu behandeln, statt nur Symptome kurzfristig zu mildern. Sofern sie erkannt werden, wird Raum für nachhaltige Veränderung geschaffen.

Acki, herzlichen Dank für deine Zeit und das inspirierende Gespräch.

Danke euch! Es war mir eine Freude. 

 

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